
Kronen Zeitung
NACHFOLGE UNGEKLÄRT
Offiziell! Gattuso ist nicht mehr Italien-Teamchef
Italiens neuerliches Scheitern in einer Fußball-WM-Qualifikation hat innerhalb weniger Tage zu großen personellen Veränderungen geführt! Das Debakel kostete nun auch Teamchef Gennaro Gattuso den Job: Der 48-Jährige trat nach nicht einmal einem Jahr als Cheftrainer der „Squadra Azzurra“ zurück. Zuvor hatten auch schon Verbandschef Gabriele Gravina und der A-Team-Manager, der ehemalige Weltklasse-Tormann Gianluigi Buffon, ihre Ämter niedergelegt.
Gattuso zog damit die Konsequenzen aus der 1:4-Niederlage am Dienstag im Elfmeterschießen des Playoffs gegen Bosnien-Herzegowina. Damit hatte der vierfache Weltmeister Italien zum dritten Mal in Folge die Teilnahme an einer WM verpasst.
„Es war mir eine Ehre“
Gattusos Abgang war bereits seit Tagen erwartet worden. Einer Mitteilung des nationalen Fußball-Verbands FIGC zufolge wurde die Trennung nun „im Einvernehmen“ beschlossen. In einer persönlichen Erklärung Gattusos, der bei Italiens bisher letztem WM-Titel 2006 dabei war, heißt es: „Da wir das Ziel, das wir uns gesetzt hatten, nicht erreicht haben, betrachte ich schweren Herzens meine Zeit auf der Trainerbank der Nationalmannschaft als beendet. Es war mir eine Ehre.“ Das azurblaue Trikot der Squadra sei „das wertvollste, das es im Fußball gibt“.
Italiens Fußball steht nach einer ganzen Serie von Pleiten vor einem grundlegenden Neubeginn. Die Nachfolge an der Spitze des Verbandes soll am 22. Juni geregelt werden – also während der WM in den USA, Kanada und Mexiko. Möglicherweise wird auch erst dann oder sogar danach entschieden, wer neuer „Commissario Tecnico“ (Teamchef) wird.
Auch Vereinsfußball in Krise
Der Sieg im WM-Finale gegen Frankreich 2006 war der bisher letzte Erfolg der einst so großen Fußball-Nation bei einem K.-o.-Spiel einer WM. Abgesehen vom EM-Titel 2021 gab es seither praktisch nur noch Enttäuschungen. 2010 und 2014 schieden die Italiener in der Gruppenphase aus. 2018 in Russland und 2022 in Katar waren sie nach dem Scheitern in der Qualifikation gar nicht erst dabei.
Auch Italiens Vereinsfußball steckt in der Krise. Als letzter italienischer Klub musste sich Atalanta Bergamo bereits im Achtelfinale aus der Champions League verabschieden – mit einem blamablen Gesamtergebnis gegen Bayern München von 2:10. Die großen Namen wie Inter Mailand, AC Milan, Juventus Turin oder AS Roma sind bei den europäischen Wettbewerben auch schon draußen. Nur Bologna und Fiorentina mischen in der Europa League beziehungsweise Conference League noch mit.
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